Die Ergebnisse einer Studie im Sommer 2016 ließen Feministinnen aufheulen: die beruflichen Chancen einer Frau sind tatsächlich größer, wenn sie ihre weiblichen Attribute nicht versteckt. 19 Mal häufiger wurden die Bewerberinnen zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, die auf dem Foto ein weit ausgeschnittenes Oberteil präsentierten. Dabei waren Berufssparten wie Vertrieb und Rechnungswesen, aber auch der medizinische Bereich ganz vorn. Hier wurde sehr viel häufiger auf erotische Signale der Frauen reagiert als in anderen Sparten.

Sack und Asche oder einfach ganz Frau?

Sex sells. Im Bereich Vertrieb scheint sich also diese alte Binsenweisheit zu bewahrheiten. Aber vielleicht sollte zuerst einmal zwischen Sexismus und Sex unterschieden werden. Provokant gefragt: muss sich eine Frau in graues Sackleinen kleiden, damit sie nicht mehr als solche wahrgenommen wird und der Sexismusfalle entgeht? Dürfen sich Frauen nicht schminken, die Haare nicht mehr offen tragen, weil dies als sexistisch empfunden werden könnte? Die Antwort kann doch nur ein klares Nein sein. Nur wer sich rundum wohlfühlt, und dazu gehört nun mal die Kleidung, wird im Vertrieb auf gute Zahlen kommen. Was also liegt näher, als im Sommer ein leichtes Kleid und im Winter einen anschmiegsamen Pulli zu tragen, wenn’s als Frau Freude macht?

Gelegenheiten machen Diebe?

Ein zweites Standardklischee taucht auf, wenn Sex, Sexismus und Vertrieb in einem Zusammenhang gebracht werden. Reisen, Messen, Kongresse, lange Abende im Hotel scheinen dafür prädestiniert zu sein, dass Sex ins Spiel kommt. Statistisch erhobene Zahlen geben diesem Klischee durchaus recht. Dazu kommt, dass sich naturgemäß die Frauen und Männer für einen Job im Vertrieb entscheiden, die von Haus aus eher extrovertiert sind. Das macht die Kontaktaufnahme, den Umgang mit Menschen, gerade auch den Vertretern des anderen Geschlechts gegenüber, unkomplizierter – warum auch nicht? Und dazu kommen eben die Möglichkeiten, die sicher vielfältiger sind als bei Stubenhockern und reinen Schreibtischtätern.

Sexuelle Freiheit ohne Grenzen?

Also alles ok, grünes Licht für Sex im Außendienst? Das Spiel mit der Anziehungskraft, der Flirt mit Kollegen und Kunden sind nur so lange ein Spiel, wie die Regeln allen Beteiligten taugen. Ein attraktives Äußeres, betont weibliche Kleidung darf kein Freibrief sein, Grenzen zu überschreiten. Wo die Grenzen liegen, bestimmt jede Frau selbst. Ein Stop ist ein unverrückbares Stop. Wird das missachtet, dürfen und sollen sich Frauen im Vertrieb Hilfe von Vorgesetzten, vom Betriebsrat oder gar von Anwalt und Gericht suchen. Wer dagegen Anspielungen liebt und sie gut kontern kann, darf sie zulassen. Dabei gilt es dennoch ein paar wichtige Regeln zu beachten, damit das Vergnügen nicht zur Verwünschung wird.

Arbeiten und Lieben ohne Morgen?

Frauen, die sich innerhalb der eigenen Firma auf mehr als nur einen unverfänglichen Flirt einlassen, bewegen sich unter Umständen auf dünnem Eis. Dies passiert vor allem, wenn dabei die Hierarchieebene verlassen wird. Das schafft Neider. Und die einmal gezeigte Offenheit was Sex angeht, könnte angreifbar machen – für Übergriffe anderer Mitarbeiter, für Schikanen, wenn das Techtelmechtel beendet wird. Im Außendienst kommt noch ein weiteres Risiko hinzu. Verkaufszahlen brechen mit ziemlicher Sicherheit ein, wenn Sex als Verkaufsargument wegfällt. Ob das dann ein kurzes Vergnügen wert war oder mehr professionelle Distanz – dennoch mit erotischer Spannung – langfristig nicht doch der bessere Weg gewesen wäre, lässt sich sicher unschwer feststellen. Dagegen ist es fast schon Privatsache, wenn der Flirt mit dem Kollegen aus dem Vertrieb beim Sexendet. Dass Arbeitsklima und Arbeit nicht darunter leiden dürfen, versteht sich von selbst.